Was Pisa und viele andere Erhebungen bislang nicht geschafft haben, hat Corona ziemlich schnell zum Vorschein gebracht und in das allgemeine Bewusstsein gehoben: Deutschlands Schulen hinken in der Digitalisierung weit hinter den Möglichkeiten her. Das gilt auch für den Kreis Bergstraße, der in manchen Punkten durchaus vorzeigbare Ergebnisse hat. Woran mag das liegen? Die Gründe scheinen wie so oft mannigfaltig zu sein:

  • An vielen Schulen fehlt, trotz Digitalpakt, immer noch der notwendige Anschluss an eine zeitgemäße und schnelle IT-Infrastruktur mit der notwendigen Bandbreite und mit der Aufteilung in ein pädagogisches
    (schulinternes) und ein öffentliches Netz.
  • Die Geräteausstattung der Lehrkräfte ist bis heute eher mangelhaft, ebenso die von den Schülerinnen und Schülern, sofern sie sich nicht selbst versorgt haben.
  • Es mangelt an Personal und Fachkompetenz zur Betreuung der Geräte- und IT-Infrastruktur.
  • Die Medienkompetenz seitens der Lehrkräfte ist sehr unterschiedlich und hängt von dem persönlichen Interesse ab. Fortbildungen werden zwar angeboten, doch es fehlt an der notwendigen Zeit oder dem notwendigen Interesse, diese wahrzunehmen.

Bei der Ausstattung scheint langsam Besserung einzutreten, aber der Rest liegt eher im Argen.

Hinzu kommt, dass manchen Eltern die zögerliche Digitalisierung der Schulen gar nichts auszumachen scheint, es Ihnen sogar eher recht ist. In einigen Elternhäusern sind die Kinder in punkto Digitalisierung ihren Eltern sowieso voraus. Beispiel geben oder Beispiel vorleben wird in solchen Fällen schwierig. Oftmals greifen dann eher Verbote, anstatt die Kinder bei den ersten digitalen Schritten an die Hand zu nehmen. Wie sollten Eltern das auch leisten, wo sie doch selbst nicht mit den digitalen Medien aufgewachsen sind und sich so manches erst noch selbst aneignen müssen. In solchen Fällen bleibt eigentlich nur die Schule...
An den meisten Schulen herrschen aber auch im 21. Jahrhundert immer noch Verbote vor, anstatt die Schülerinnen und Schüler frühzeitig in dem sicheren und
verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Medien zu unterrichten. Insbesondere werden die allmächtigen und rechnergewaltigen Smartphones an der Schule zumindest bis zur Oberstufe im besten Falle ignoriert, aber mit Sicherheit nie in den Unterricht einbezogen. Woher sollen unsere Jüngsten dann einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang damit lernen, wenn sie mit sich und  ihresgleichen allein gelassen werden? Das Elternhaus kann mangels entsprechender Ausbildung hier nur selten den Ausgleich herstellen.
Der Medienbildungstag will hier eine Brücke bauen. Er möchte aufzeigen, welche Chancen und Möglichkeiten sich für die Schulen, die Schülerinnen und Schüler, die
Lehrkräfte und die Eltern ergeben, wenn wir frühzeitig damit beginnen, digitale Medien im Unterricht zuzulassen und in die pädagogischen Konzepte einzubinden. Wir wollen anhand existierender, guter Beispiele aufzeigen, dass es auch heute schon möglich ist, ganze Klassen oder Schulen mit entsprechenden Geräten auszustatten, ohne dass die Schülerinnen und Schüler in Spieltrieb verfallen und Unterrichtsstoff verpassen. Im Gegenteil, wir werden anhand von Beispielen zeigen, dass es auch möglich ist, Haus- oder Medienordnungen so zu formulieren, dass dort statt Verboten Möglichkeiten und Chancen vorherrschen.
Dabei wollen wir die Herausforderungen und Gefahren der Digitalisierung nicht verniedlichen oder gar verschweigen. Auch diesem Thema will sich der Medienbildungstag widmen. Und wir möchten Eltern zeigen, welche Möglichkeiten des Schutzes es für den privaten Bereich gibt, sodass wir uns auch hier vermehrt den Möglichkeiten zuwenden können. Und an wen richtet sich der Medienbildungstag nun konkret? Ausgerichtet von der Kreisschülervereinigung und dem Kreiselternbeirat wendet sich der Medienbildungstag in erster Linie an die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern. Aber auch an alle Lehrerinnen und Lehrer, und dabei nicht nur an die Lehrkräfte, die an ihrer Schule IT-Verantwortung tragen. Und zu guter Letzt an die Entscheidungsträger aus den Schulleitungen, der Politik und den Gemeinden. Der Medienbildungstag wird von der Kreisschülervereinigung und dem Kreiselternbeirat zusammen mit dem Kreis und dem Schulamt unter der Schirmherrschaft von Landrat Christian Engelhardt organisiert und findet erstmalig am 18.03.2023 in der Karl-Kübel-Schule in Bensheim statt. Neben Vorträgen von Schulleitungen, Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern, die an ihrer Schule beispielgebende Lösungen erarbeitet und installiert oder gute Konzepte erarbeitet haben und Expertenvorträgen zu Chancen und Risiken der Digitalisierung, wird es auch Aktionsstände zu den beispielhaften Projekten, Messestände von Partnern und Mitmachaktionen wie Workshops geben.


Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Zum Abschluss ist eine Podiumsdiskussion geplant, die insbesondere den engagierten Fachkräften sowie Eltern- und Schülervertretungen Impulse geben soll.
Der Eintritt ist frei – aber sicher nicht umsonst!